von Ove Bornholt
Das wohl berühmteste Liebespaar alle Zeiten hatte sich der Theaterkursus der Freiherr-vom-Stein-Schule zum Thema gemacht: Beim Schultheaterfestival zeigten die Schüler am Montagabend "Romeo und Julia". Unter dem Titel "Wenn Liebe Leiden schafft . . ." führten die Neunt- und Zehntklässler das Stück im Theater in der Stadthalle vor 70 Zuschauern auf. Regie führte die Lehrerin Ines Friedrich. Zusammen mit den Schülern sammelte sie Ideen und verschob die Geschichte von der Renaissance in die Gegenwart.
Julia (Neele Kröger) ist gerade an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein und muss zu ihrem Vater in die Stadt ziehen. Das tut sie nur widerwillig. Der einzige Lichtblick für Julia ist ihre neue Freundin Louisa (Tabea Bolton), und da ist auch noch ein Junge, den sie ganz nett findet - natürlich Romeo (Marius Korten).
Aber der ist mit der fiesen Nathalie, wunderbar böse gespielt von Fabienne Kaiser, zusammen. Allerdings keift die große Blonde ihren Liebsten meistens nur an, während sie über die Bühne stolziert. Romeo fühlt sich mehr und mehr zu Julia hingezogen. Aber ist er wirklich verliebt? Will er nur weg von Nathalie? Und mag Julia ihn überhaupt? Zweifel beherrschen seine Gedanken. "Liebe kann so schön sein, kann aber auch verdammt weh tun", lernt er schnell. Nachdem er mit Nathalie Schluss gemacht hat, heckt diese eine Intrige aus, um die Verliebten zu entzweien. "Dabei sind Fabienne und Neele eigentlich beste Freundinnen", sagt die Großmutter von Neele, Inge Eschen (65) aus Boostedt, schmunzelnd. Viele Angehörige und Freunde waren unter den Zuschauern.
Zwischen den Szenen erklang moderne Musik. Laut Ines Friedrich passt "Suspicious Minds" ("Verdächtige Gedanken") von Elvis Presley am besten zu dem Stück. So richtig trauen nämlich weder Romeo noch Julia ihrem Liebesglück. Den Streit zwischen den Familien der Liebenden, bei Shakespeare sehr wichtig, verkam bei dieser Inszenierung zu einem Randaspekt. Die meisten Szenen spielten die Schüler überzeugend. Die kleinen Texthänger überspielten sie gut. Ines Friedrich war stolz auf ihre Truppe - die Zuschauer erlebten ein kurzweiliges Stück. Das Ende der Liebesgeschichte blieb offen. Vielleicht wird es schön zwischen Romeo und Julia, vielleicht tut es aber auch verdammt weh.
Quelle: shz, vom 16.05.2012